Scharren bei Dockendorf



Naturschutzgebiet seit dem 28. 02. 1983





Westlich von Bitburg erstreckt sich ungefähr in Nord-Süd-Richtung der bewaldete Höhenrücken des Bedhard. An seinen unteren Hängen, wo der Wald endet, fallen schon von weitem grau gefärbte Flächen auf, die teils völlig vegetationslos, teils nur locker bewachsen sind und an Bergwerkshalden erinnern. Der Volksmund bezeichnet sie als "Schuver" oder "Schuverhiewelen"; in der wissenschaftlichen Literatur werden sie "Scharren" genannt. Ähnliche Erscheinungen gibt es in Luxemburg, wo sie "Grauenknapp" genannt werden, und in viel ausgedehnterer und fast wüstenhafter Form im Staat Wyoming in den USA, wo sie "badlands" genannt werden.


Mergelgestein

Eine der Ursachen, die zur Entstehung der kahlen Hänge geführt haben, ist der Gesteinsuntergrund. Er besteht aus Mergel, einer Mischung aus Kalk, Sand und Ton (siehe Abb. oben). Mergel hat die Eigenschaft, sehr rasch zu verwittern. Sobald er einer schützenden Vegetationsdecke beraubt ist, zerfällt er an der Oberfläche in kleine Bröckchen, die von Regengüssen rasch weggeschwemmt werden können. Die Mergel westlich Bitburg gehören der geologischen Formation des Keuper an.

Ohne Zutun des Menschen lägen die Scharren jedoch nicht so kahl da, sondern wären bewaldet. Die Erosion konnte erst einsetzen, nachdem schon im frühen Mittelalter weite Bereich des Bitburger Gutlandes wegen der fruchtbaren Böden und des günstigen Klimas gerodet worden waren. Da, wo sich heute die Scharren erstrecken, wurde zwar kein Ackerbau betrieben. Dafür waren die Hänge meist zu steil. Man nutzte sie als Schafweiden, und Verletzungen der Vegetationsdecke durch den Tritt der Weidetiere boten wohl die ersten Ansatzstellen für die Erosion. Nach heftigen Regengüssen konnte das hangabwärts fließende Wasser dort ansetzen und rasch kleinere Rinnen ausspülen, die im Laufe der Jahre zu tiefen "Runsen" wurden, zwischen denen schmale Rücken stehen blieben. An den vegetationsfreien Stellen rutscht das bröcklige Verwitterungsmaterial andauernd nach, weshalb man auch von "Rutschhängen" spricht. Pflanzenkeimlinge haben es deshalb sehr schwer, Fuß zu fassen.


Eine Weinrose (Rosa rubiginosa), die auf einer
vegetationslosen Fläche Fuß gefasst hat.


Wenn man es negativ formuliert, sind die Scharren also das Ergebnis einer Bodenzerstörung. Warum stellt man so etwas unter Naturschutz? Abgesehen von dem reizvollen, fast steppenartigen Landschaftsbild weisen die Scharren eine Vielzahl seltener Pflanzen und Tiere auf. Gerade in einer solchen "Kampfzone", wo es Pflanzen schwer haben, Fuß zu fassen, bieten sich Lebensmöglichkeiten für genügsame, zähe Arten, die großes Lichtbedürfnis haben oder aus anderen Gründen in einer dichten Vegetationsdecke oder im Wald nicht gedeihen können.Zäh müssen diese Pionierpflanzen vor allem deshalb sein, weil die Sonne auf die vegetationslosen Flächen ungehindert einstrahlt, und der Boden in regenarmen Wetterperioden stark austrocknet.So kommt es, dass auf den Scharren zum Beispiel die "Bunte Erdflechten-Gesellschaft", eine Gemeinschaft seltener Flechten-Arten, vertreten ist, die man ansonsten aus den kontinentalen Steppen Süd-Russlands kennt.

Zu den Pionieren unter den Blütenpflanzen, welche als erste die kahlen Stellen zu besiedeln vermögen, gehören das Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) und der Feld-Thymian (Thymus pulegioides). Wo noch etwas Humus vorhanden ist, hat sich der Enzian-Halbtrockenrasen entwickelt, der für nährstoffarme Schafweiden auf kalkhaltigen Böden kennzeichnend ist. Neben dem tiefblau blühenden Fransen-Enzian (Gentiana ciliata) und dem mehr violetten Deutschen Enzian (Gentiana germanica), die beide erst im Spätsommer aufblühen, findet man dort zahlreiche Orchideen-Arten.



Anacamptis

Enzian

Wer sich weiter über das Naturschutzgebiet "Scharren bei Dockendorf" informieren will, sei auf folgende Broschüre verwiesen:
Steiniger, Hartmut und Weiler, Helmut (1986): Scharren bei Dockendorf. - Reihe "Naturschutzgebiete im Landkreis Bitburg-Prüm", 24 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen. Herausgegeben von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, Trierer Straße 1, 54634 Bitburg