Der Wiesensalbei


Der Wiesensalbei - Ein blauer Farbtupfer in artenreichen Blumenwiesen



Salbei: Heil-, Wiesen und Gartenpflanze (Staude des Jahres 2003)

(Salvia pratense)

Salbei als Staude stellt mit vielen Arten ein großes Spektrum dar, wobei bei uns die beiden Arten des Heil- und Küchenkraut Gartensalbei (Salvia officinalis) und der Wiesensalbei (Salvia pratensis) besonders bekannt sind. Um die Pflanze ins richtige Licht zu stellen, wurde der Salbei als die Staude des Jahres 2003 auserkoren.



Der Name Salbei - Salvia leitet sich vom Lateinischen ab: "salvare" bedeutet heilen oder "salvere" entspricht dem dt. gesund sein. Dies deutet auf die heilende Wirkung des Krautes hin. Hinlänglich ist bekannt, dass Salbei Linderung bei Husten und Erkältungskrankheiten bringt. Für diese Wirkung verantwortlich sind ätherische Öle (Cineol, Borneol, Thujon und Pinen). Der Gartensalbei enthält diese in größeren Mengen, im Wiesensalbei sind sie auch vorhanden, jedoch in geringerer Menge.





Wie bei allen Lippenblütlern sind die Blüten "dorsiventral" gebaut, d. h. die Blütenblätter sind nicht wie z. B. bei der Heckenrose oder der Nelke in gleicher Gestalt rings um die Mitte der Blüte angeordnet. Sie sind zunächst einmal im unteren Bereich röhrenförmig verwachsen und gliedern sich im oberen Bereich in eine Oberlippe und eine Unterlippe, die sich in der Form deutlich unterscheiden. Die Unterlippe dient als Landeplatz für blütenbesuchende Insekten. Die Staubblätter sind unter der Decke der Oberlippe, gleichsam am Gaumen der Blüte angebracht und mit einem raffinierten Hebelmechanismus versehen. Dringt eine Biene oder eine Hummel auf der Suche nach Nektar in die Blüte ein, stößt sie mit dem Kopf gegen einen kleinen Hebel. Dieser bewirkt, dass die Staubbeutel von oben her auf den Hinterleib des Insekts schlagen, dabei aufplatzen und ihre Pollenkörner entleeren, die etwas klebrig sind und an dem Insekt haften bleibt. Bis das Insekt die nächste Blüte angeflogen hat, lässt die Klebrigkeit schon nach, und der Pollen wird an der Narbe des Stempels abgestreift, wodurch die Befruchtung der Blüte vollzogen wird.





Wir finden den Wiesensalbei in den blütenreichen Glatthaferwiesen als großen blauen Farbtupfer. Als Standort lassen sich wärmeliebende Fettwiesen auf mäßig frischen bis trockenen, mäßig nährstoffreichen bis mageren, basenreichen, vorzugsweise kalkhaltigen Lehmböden (wärmeliebende Lichtpflanze und Hummelblume) angeben. Weiterhin ist der Wiesensalbei häufig in Kalk-Magerrasen bzw. Halbtrockenrasen anzutreffen. Es handelt sich dabei um Biotope, die in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr zurückgedrängt wurden. Starker Flächenverbrauch und intensive Landwirtschaft führten zum Rückgang dieser Lebensräume. Es werden heute viele Flächen, auf denen neben vielfältigen Orchideen auch der Wiesensalbei vorkommt, als Naturschutzgebiete geschützt und gepflegt.

Somit ist nicht nur auf die Staude des Jahres 2003 im besonderen zu achten, sondern wir sollten dieser Pflanze mit Respekt in der freien Natur begegnen!!!



Dr. Hans Reichert