Die Rolle der Pilze im Naturhaushalt
Die Pilze ernähren sich wie Tiere von organischen Stoffen. Viele Waldpilze beziehen diese aus Pflanzenresten, wie zum Beispiel
Laubstreu und totem Holz. Sie spielen als sogenannte Destruenten („Zerstörer“) eine wichtige Rolle im Naturhaushalt.
Würden Sie nicht
gemeinsam mit Bakterien alle Pflanzenreste abbauen und in den Stoffkreislauf der Natur zurückführen, gäbe es in wenigen Jahrzehnten
eine gewaltige Anhäufung von Holz und anderen Pflanzenteilen, die Nährstoffe im Boden wären bald aufgebraucht und das Leben käme
allmählich zum Erliegen.
Die meisten Waldpilze sind Nahrungsspezialisten. Manche ernähren sich von der Laubstreu und anderen Pflanzenresten im Oberboden.
Andere sind auf Holz spezialisiert und in der Lage, mit ihren Verdauungsenzymen selbst die härtesten Holzarten in lösliche
Abbauprodukte umzuwandeln. Den Teil eines Pilzes, der diese Zerlegungsarbeit vollbringt, sehen wir in der Regel nicht. Er ist ein
feines, schimmelpilzartiges Geflecht (Mycel). Es umspinnt und durchzieht das abzubauende Substrat. Seine feinen Fäden (Hyphen)
sondern Verdauungsstoffe ab und nehmen die verflüssigten Abbauprodukte in sich auf.
Zu gewissen Zeiten, meist im Herbst, verflechten sich viele Pilzfäden zu kompakten Gebilden, welche über die Erdoberfläche
hinauswachsen und dazu dienen, Sporen zu erzeugen, die der Ausbreitung des Pilzes dienen. Diese Fruchtkörper sind das, was der Laie
„Pilze“ nennt. Sie sind streng genommen nur Organe des im Substrat verborgen eigentlichen Pilz-Lebewesens.
Die Holz abbauenden Pilzarten, deren Fruchtkörper meist an Baumstümpfen erscheinen, sind, wenn man von zahlreichen Winzlingen mit
weniger als 2 cm breiten Hüten absieht, eine überschaubare Gruppe. Nur drei davon haben als Speisepilze Bedeutung: Der Hallimasch,
das Stockschwämmchen und der Graublättrige Schwefelkopf. In manchen älteren Pilzbüchern heißt es, es gäbe daneben einige ungenießbare
Arten, aber keine ausgesprochenen Giftpilze. Das stimmt nicht, wie weiter unten näher erläutert wird.
Das Stockschwämmchen
Betrachten wir zunächst den wohlschmeckendsten unter den holzbewohnenden Speisepilzen, das Stockschwämmchen. Seine braunen Fruchtkörper
bedecken Baumstümpfe meist in großen Scharen (Abb. 1). Die Hutoberfläche ist bei feuchtem Wetter dunkelbraun. Ist es dagegen trocken,
verfärbt sich der Hut von der Mitte her hellocker, und nur der Randbereich bleibt zunächst dunkelbraun. Im Bild ist die Aufhellung bei
dem Hut ganz links in der vorderen Reihe zu erkennen.
Die feinen Lamellen auf der Hutunterseite, die der Sporenerzeugung dienen, sind zunächst hellbräunlich gefärbt, bei älteren Exemplaren
dunkler rotbraun.
Wichtig zum Erkennen und Unterscheiden des Stockschwämmchens ist der Stiel des Fruchtkörpers (Abb.2). .
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Abbildung 2:
Der Stiel ist im Idealfall in 2/3 seiner Höhe von einem kleinen Hautring umgeben, der von herabfallendem Sporenstaub dunkelbraun bepudert ist. Oft ist der Ring in Fetzen aufgelöst (rechtes Exemplar im Bild) und manchmal ganz abgefallen (linkes Exemplar). Untersucht man jedoch in einer Schar von Stockschwämmchen mehrere Fruchtkörper, wird man bei etlichen von ihnen den kleinen Ring gut erkennbar vorfinden.
Das wichtigste Merkmal ist das folgende: Oberhalb des Ringes, d .h. im oberen Drittel, ist der Stiel glatt und sehr hell, fast weiß,
gefärbt. Unterhalb des Ringes hat er eine deutlich dunklere Farbe und ist mit feinen Schuppen besetzt und deshalb rau.
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Das Stockschwämmchen ist zwar nicht groß. Die Hüte haben meist nur einen Durchmesser von 5 bis 6 cm. Wegen des scharenweisen Wachstums
von Fruchtkörpern hat man jedoch schnell eine erkleckliche Menge gesammelt. Der Pilz hat einen würzigen Geschmack und gleicht deshalb
in einem Mischpilzgericht den faderen Geschmack anderer Arten aus
Giftige Pilze an Baumstümpfen
Wie schon oben angedeutet, gibt es auch an Baumstümpfen einige Giftpilze. Den Leuchtenden Ölbaumpilz, einen stattlichen, lebhaft orange
bis dunkel rotbraun gefärbten Pilz mit trichterförmigem Hut braucht man in der Region Trier wahrscheinlich nicht zu fürchten, da er
hier nicht oder höchstens in den warmen Tallagen äußerst selten vorkommt.
Der grünblättrige Schwefelkopf ist in der Größe dem Stockschwämmchen ähnlich, hat aber eine gelb- bis orangebraune Hutoberseite,
keinen Ring am Stiel und graue, grünlich schimmernde Lamellen. Er ist zwar nicht lebensgefährlich giftig, kann aber schwere
Verdauungsstörungen verursachen
Der Gift-Häubling
Erst in den letzten Jahren ist bekannt geworden, dass es einen Doppelgänger des Stockschwämmchens gibt, der gleiche Giftstoffe wie der
gefürchtete Grüne Knollenblätterpilz enthält, welche bekanntlich Lebergewebe zerstören. Dieser Pilz heißt Gift-Häubling und wurde
irreführend auch Nadelholz-Häubling genannt. Er wächst aber ebenso auf Laubholz. Da er dem Stockschwämmchen sehr ähnlich sieht, soll
er im folgenden anhand von Bildern genau beschrieben werden. .
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Abbildung 3
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Der Hut ist in der Größe und der Färbung von dem des Stockschwämmchens fast nicht zu unterscheiden (Abb. 3). Feine Rillen am Hutrand
(auf der Abbildung nach Vergrößerung erkennbar) sind nicht immer vorhanden. Die sichersten Unterscheidungsmerkmale bietet der Stiel (Abb. 4).
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Abbildung 4:
Der Stiel hat, wie beim Stockschwämmchen, einen Ring. Anders als beim Stockschwämmchen ändern sich aber Farbe und
Oberflächenbeschaffenheit des Stieles in Höhe des Ringes nicht abrupt. Der Stiel ist
entweder über die ganze Länge gleichfarbig oder wird nach unten hin nur allmählich etwas dunkler. Anfangs ist er hell gelblich, später
wird er braun bis grau, oft mit etwas silbrigen Flecken oder Streifen. Der Stiel ist glatt. Es fehlen also Flocken, wie sie für den
unteren Stielteil des Stockschwämmchens charakteristisch sind.
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Der Gift-Häubling ist bis jetzt seltener als das Stockschwämmchen. Das könnte ein Grund dafür sein, dass noch keine
Vergiftungsfälle dokumentiert sind. Er tritt nicht in solch dichten Scharen auf wie das Stockschwämmchen, sondern eher einzeln oder
in kleinen Gruppen. Im Gegensatz zum Stockschwämmchen, das man bisher nur auf im Boden verankerten Baumstümpfen gefunden hat, besiedelt
der Gift-Häubling oft herumliegendes Holz. Vor vermeintlichen Stockschwämmchen auf lagerndem Holz oder Rindenmulch sollte man sich
deshalb hüten. Die häufige Verwendung von Rindenmulch scheint dazu beizutragen, dass der Gift-Häubling in Ausbreitung begriffen ist.
Die Verwechslungsgefahr wächst demzufolge. Stockschwämmchen und Gift-Häubling wurden gelegentlich schon am gleichen Baumstumpf
gefunden. Das Stockschwämmchen kann deshalb leider nicht mehr uneingeschränkt als Speisepilz empfohlen werden, vor allem nicht für
Anfänger. Nur erfahrene Pilzsammler sollten sich daranwagen
Text und Fotos: Dr. Hans Reichert
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