Der Steinsame


Der purpurblaue Steinsame

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Blume des Jahres 2000

Von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen wurde der Steinsame zur Blume des Jahres 2000 ausgewählt.

Beschreibung:

Der Steinsame gehört zur Familie der Borretsch- oder Raublattgewächse (Boraginaceae), wie auch die etwas bekannteren Arten Vergissmeinnicht, Beinwell oder Borretsch. Aufgrund des Namens ist ein typisches Merkmal der Familie die raue Behaarung der Pflanzenteile. Die 30 bis 60 cm hohe Staude trägt auf aufrechten Blütensprossen in gedrängten Wickeln angeordnete, tellerförmige, 5 - zipfelige Blüten mit einem langröhrigen Kelch. Die Blüten erscheinen von April bis Juni und können einen Durchmesser von bis zu 10 mm erreichen. Die anfangs hellpurpurne Blütenfarbe wechselt später in ein tiefes Azurblau über. Beim Steinsamen ist die aufblühende Blüte rotviolett, geht dann aber bald in ein tiefes Blau über.
Neben den Blütensprossen besitzt die Pflanze sterile, d.h. keine Blüten tragende Ausläufer, die an den Spitzen Wurzeln entwickeln können. Die lanzettlichen Laubblätter sind 4 bis 8 cm lang und an beiden Enden zugespitzt, die untersten sind in einen kurzen Stiel verschmälert, während die oberen Blätter direkt am Stängel sitzen.
Die Bestäubung erfolgt wegen des langen Kelches nur durch langrüsselige Bienenarten. Die Samen in der Form von Nüsschen erreichen eine Größe von 4 bis 5 mm, sind glatt, glänzend und steinhart. Die Samen werden den Winter über von den stehen gebliebenen, trockenen Pflanzen ausgestreut. Eine vegetative Vermehrung erfolgt über die immergrünen, jedoch recht frostempfindlichen Kriechsprosse. Oftmals bilden sich so dichte, bodendeckende Kolonien.
Als volkstümlicher Name war früher Steinhirse gebräuchlich, wobei die harten Früchte mit Hirsekörnern verglichen wurden. Die heute gültige deutsche Bezeichnung Steinsame ist eine direkte Übersetzung des Gattungsnamens aus dem Griechischen, wo Lithos (= Stein) und sperma (= Samen) bedeuten. Der Artname purpurocaeruleum bezieht sich auf die im Laufe der Blüte wechselnde Färbung.

Herkunft:

Die allgemeine Verbreitung geht in Europa vom Mittelmeer bis nach Mittel- und Nordfrankreich, Südengland, Belgien, Nordböhmen bis hin zum Kaukasus und Nord-Iran. Die Nordgrenze der Verbreitung verläuft durch Südniedersachsen, die Linie Süntel - Hildesheim - Salzgitter wird gerade noch erreicht. In den neuen Bundesländern befinden sich Vorkommen in Thüringen und Sachsen-Anhalt, während die Pflanze in Brandenburg oder Sachsen nicht vertreten ist.


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Standort:

Der Purpurblaue Steinsame kommt in Wäldern und an Waldrändern ( Bild 2) trocken-warmer Kalkstandorte, etwa Orchideen-Buchenwäldern, Eichen-Eisbeeren-Wäldern und trockenen Eichen-Hainbuchenwäldern auf mäßig nährstoffreichen, flachgründigen Kalkverwitterungsböden vor. Optimal sind die lichten Mittel- und Niederwälder auf südexponierten, lange sonnenbeschienenen Hängen oder Hügelkuppen. Die Böden sind von verschiedener Konsistenz, es werden sowohl mittelgründige, lockere bis steinige Böden angenommen, aber auch reine Ton-, Lehm- oder Lößböden. An der Oberfläche, die meist humus- und mullhaltig ist, können die schon erwähnten blütenlosen Triebe kriechen und Ausläufer bilden. Solche Biotope sind artenreich und durch eine Vielzahl seltener, bestandsbedrohter Pflanzen gekennzeichnet. Als Beispiel seien nur Schwalbenwurz, Ästige Graslilie, Echte Schlüsselblume und Kleine Wiesenraute genannt. Außerdem sind viele Orchideen wie das Weiße Waldvöglein oder das Purpur-Knabenkraut zu finden.
Der Purpurblaue Steinsame wird heute auf den Roten Listen Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens und des Saarlandes als bestandsgefährdet geführt. Früher profitierte die Art von der Mittel- und Niederwaldbewirtschaftung zur Gewinnung von Eichenrinde für die Lohgerberei. Heute entwickeln sich viele der verbliebenen Wälder zu schattigen Hochwäldern und verdrängen die lichtliebenden Pflanzen an den Waldrand. Eine unmittelbare Bedrohung für die verbliebenen Reststandorte sind sich weiterhin ausdehnende Kalkbrüche, die den Lebensraum des Purpur-blauen Steinsamens an einigen Stellen im Harz einengen.

Gartenpflanze:

Der Purpurblaue Steinsame ist auch eine attraktive Gartenpflanze und wird schon lange kultiviert. So kommt das Raublattgewächs auch außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes als sogenannte Stinzenpflanze vor, die aus alten Gärten, Parks oder Landsitzen stammend, sogar in Norddeutschland kleine Lokalvorkommen ausgebildet hat. Ein Bezug ist bei gut sortierten Staudengärtnereien möglich. Für versierte Gartenfreunde, welche die Pflanze selber anziehen möchten, sind bei speziellen Saatzuchtfirmen auch Samen erhältlich. Da die Art aber ein sog. Kaltkeimer ist der längere Kälteperioden zum Keimen braucht, ist eine ganze Menge Fachkenntnis notwendig, um die richtigen Keimbedingungen einzurichten.

Weitere Arten aus der Gattung:

Andere Arten sind der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum officinale L.) und der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis). Der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum officinale L.) ist eine Pflanze der wärmebegünstigten Stromtäler. Es handelt sich um eine ausdauernde Pflanze mit 30 bis 80 cm Wuchshöhe. Die Blüten sind weiß bis grünlichgelb gefärbt (Juni-Juli). Die Teilfrüchte sind eiförmig, glänzend und von weiß bis hellbrauner Farbe.
Der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis L.) ist stark rauhaarig, so dass der Eindruck von klebenden Blättern und Blüten entsteht. Die Pflanze kann zwischen 8 cm bis ebenfalls stattlichen 60 cm Wuchshöhe erreichen. Die Blätter wirken dunkelgrün grau, sind wie der Stengel behaart, schmal lanzettlich, ganzrandig, sitzend. Die Blüten sind klein, aber nicht rein weiß, sondern eher hell, cremefarben erscheinend, da der Grund der Röhre meist einen gelblichen Schlund besitzt. Die Früchtchen sind braun, runzlig-warzig und nicht glänzend. Der Acker-Steinsame ist eine Art der gestörten Plätze, also infolge anthropogener Beeinflussung überprägten Standorte wie Schuttplätze, Weinberge, aber auch Äcker. Auch mit diesen Standorten werden die grundlegenden Ansprüche der Art deutlich, nur daß sie nicht primär wirken, sondern auf (Sekundär-)Standorten zur Geltung kommen, die sich durch Materialverschwemmung (Bodenverdichtung, Pfützenbildung, aber auch kiesig-grusige Bodenpartien), starke Besonnung und Erwärmung auszeichnen.
Der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis L.) ist auf leicht lehmigen Äckern, Ackerbrachen oder in wenig nährstoffaufgehöhten Randstrukturen eher anzutreffen.
Im Altertum wurde das Kraut - ähnlich wie Lungenkraut oder auch Beinwell - zu Heilzwecken genutzt.


Text und Bilder: Frank Huckert