Interessanter geologischer Aufschluss bei Ralingen
Wo die B 418 bei Ralingen an der Sauer eine scharfe Kurve hat und kein Autofahrer wegen der Unübersichtlichkeit anhalten kann,
befindet sich eines der interessantesten geologischen Naturdenkmäler unserer Heimat. Man kann sich ihm nähern, wenn man vom Dorf
Ralingen aus vorsichtig am Straßenrand entlang zu Fuß zu der Stelle wandert. Sie liegt etwa 100 m nördlich der starken Kurve.
Dort treten an der Straßenböschung Felsbänke des Muschelsandsteins zutage (Abb.1), der als Meeresablagerung in einem geologischen
Zeitraum entstanden ist, den wir unteren Muschelkalk nennen und der ungefähr 240 Millionen Jahre zurückliegt. Damals lag unsere Region
im Bereich des Tethys-Meeres und es herrschte ein tropisch heißes Klima. Die Schalen abgestorbener Muscheln und Reste anderer
kalkbildender Meereslebewesen sanken zu Boden und verfestigten sich im Laufe der Jahrmillionen zu dicken Kalkbänken. Da zwischenzeitlich
in unserem Raum keine Faltengebirgsbildung stattfand, wurden die Kalkschichten nicht nennenswert verbogen, sondern durch die Hebung des
Rheinischen Schiefergebirges lediglich etwas schräg gestellt.
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Abbildung 2:
Das Besondere an der Felsböschung in Ralingen ist, dass die üblichen gerade verlaufenden Gesteinsschichten nur oberhalb der in Abb.2
eingezeichneten schwarzen Linie zu sehen sind. Darunter sieht es chaotisch aus. Man erkennt ein Gewirr von unregelmäßig geformten
Felsklötzen und runden Strukturen.
Eine zweite solche wirre Schicht gibt es weiter oben an der Ralinger Böschung. Sie ist auf Abb.1 jedoch nicht gut zu erkennen.
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Um die chaotischen Schichten zu deuten, lassen wir Frau Dr. Doris Dittrich vom Landesamt für Geologie und Bergbau zu Wort kommen:
Hier waren Ablagerungen „noch vor ihrer endgültigen Verfestigung von untermeerischen Rutschvorgängen betroffen. Die ursprünglich
fein horizontal gelegenen Sedimente sind verknäuelt, verfaltet oder sogar aufgerollt. Zur Erklärung dieser Formen liegt der Gedanke
erhöhter Erdbebentätigkeit mit dadurch ausgelösten subaquatischen Massenbewegungen nahe. In den letzten Jahren ist dies durch hessische,
thüringische und polnische Forschungsergebnisse gestützt worden.“
Die Trias (zu der auch der Muschelkalk gehört) „war die Zeit, in der der Superkontinent Pangäa (der alle heutigen Kontinente in einer einzigen Landmasse vereinigte) zu zerbrechen begann.
Insofern sind in dieser längst vergangenen Zeit großräumige, sehr starke Erdbebenereignisse anzunehmen.“
Ergänzend sei angemerkt, dass die Beben, die im Ralinger Aufschluss dokumentiert sind, möglicherweise auch Tsunamis ausgelöst haben,
denen wohl mancher der frühen Saurier zum Opfer fiel.
Wir können froh sein, dass unsere Region heute, 240 Millionen Jahre danach, in geologisch ruhigeres Fahrwasser geraten ist.
Quelle: Dittrich, D. (2004): Exkursionsführer. Alte und neue Bewegungen in der Erdkruste -
Tektonische Exkursion in der Region Trier am 16. Oktober 2004.
Manuskript, 22 S.
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