Unser Bild des Monats



Der Gelbliche Knollenblätterpilz

- Für Schnecken scheint der Gelbliche Knollenblätterpilz eine Delikatesse zu sein. Für Menschen ist er zwar nicht gefährlich, aber auch nicht wohlschmeckend. -



Der Name "Knollenblätterpilz" klingt beängstigend, da man dabei sofort an lebensgefährliche Gilftpilze denkt. Tatsächlich werden die meisten tödlichen Pilzvergiftungen von Knollenblätterpilzen verursacht. Doch gibt es in dieser Pilzfamilie auch harmlose Vertreter und sogar einige gute Speisepilze.

Wie alle Waldpilze leben auch die Knollenblätterpilze hauptsächlich unterirdisch in Form ausgedehnter, schimmelartiger Fadengeflechte, welche die Humusschicht durchziehen und dort organische Reste (z. B. Laubstreu) zersetzen und die verwertbaren Stoffe in sich aufnehmen. Was sich über der Erde entwickelt und was den Pilzsammler interessiert, sind die Fruchtkörper, die der Fortpflanzung dienen. Sie sind bei den Knollenblätterpilzen kompliziert gebaut, weshalb man diese Pilzfamilie als eine der höchst entwickelten bezeichnen kann.
Der Fruchtkörper entsteht nicht wie bei vielen anderen Pilzen einfach so mit Hut und Stiel in der Erde, sondern ist zunächst von einer Schutzhülle umgeben. Der junge Pilz ist wie in einem Ei eingeschlossen, und man nennt das Ganze Hexenei. Sobald dieses die Erdoberfläche durchstoßen hat, reißt die Eihaut auf, und der noch stark gewölbte Hut kommt zum Vorschein (Abb. 1). Wie man sieht, hängt aller Bodenschmutz an der klebrigen Eihaut, und der junge Hut schiebt sich sauber daraus hervor.


Abb.1


Bei manchen Knollenblätterpilz-Arten ist die Eihaut dünn und weich und zerreißt - wenn sich der Hut herausschiebt - in viele kleine Fetzen, welche als Flöckchen auf der Hutoberfläche kleben bleiben. Das kennen wir am besten vom Fliegenpilz, der ja auch zur Familie gehört, aber auch vom Perlpilz, wo die rundlichen Flöckchen mit Perlen verglichen werden. Ist die Eihaut jedoch zäh, bleibt sie mit zerrrissenem, zackigem Rand unten am Pilz zurück (Abb. 2). Man wird an die zackige Öffnung eines Schlangeneies erinnert, aus dem eine junge Schlange herausgeschlüpft ist. Auf dem Hut befinden sich in diesem Fall keine Flocken. Schließlich gibt es Arten, bei denen die Eihaut teils unten hängenbleibt, teils auf dem Hut.


Abb.2

Der Stiel ist am unteren Ende knollenförmig verdickt, worauf der erste Teil des Namens der Pilzfamilie hinweist. An der Hutunterseite ziehen in strahlenartiger Anordnung vom Stiel bis zum Hutrand senkrecht stehende, papierartig dünne, weiße Lamellen, die der Erzeugung von vielen Millionen Sporen dienen, mit denen sich die Pilze fortpflanzen. Die Lamellen sind auf keinem unserer Bilder zu sehen. Sie dürften aber allen Naturfreunden bekannt sein, die schon Pilzhüte umgedreht und von unten angeschaut haben. Da die Lamellen auch "Blätter" genannt werden, ist der zweite Teil des Namens "Knollenblätterpilze" erklärt.
Die Lamellen sind anfangs von einer Schutzhaut bedeckt (Abb. 2). Wenn der zunächst stark gewölbte Hut sich allmählich flach ausbreitet, löst sich die Schutzhaut von seinem Rand und hängt dann als sogenannte Manschette (auch Ring genannt) im oberen Abschnitt des Stiels herunter (Abb. 3 und 4).


Abb.3 und 4

Damit sind die drei wichtigsten Erkennungsmerkmale eines Knollenblätterpilzes beschrieben: 1. Knollige Verdickung am Grunde des Stiels, 2. Manschette oben am Stiel, 3. weiße Lamellen.
Champignons haben die Merkmale 1 und 2 ebenfalls, weshalb sie immer wieder einmal mit Knollenblätterpilzen verwechselt werden, und dann meist mit tödlichen Folgen. Am Merkmal 3 kann man jedoch ausgewachsene Champignons leicht unterscheiden: Ihre Lamellen sind nie weiß. Von ocker bei jungen Pilzen verfärben sie sich im Laufe der Entwicklung nach rosa und schließlich nach schwarzbraun. Kehren wir zurück zum Bild des Monats (Abb. 3). Der Gelbliche Knollenblätterpilz wird oft für den gefährlichen Grünen Knollenblätterpilz gehalten, da seine Färbung auch etwas ins Grünliche geht. Allerdings eher in Richtung eines zarten Grasgrün, während es beim Grünen Knollenblätterpilz (Abb. 4) vor allem in der Hutmitte mehr in Richtung Olivgrün geht. Während beim Gelblichen Knollenblätterpilz die Haut des Hexeneies meist in Fetzen auf der Hutoberfläche klebt, umgibt sie beim Grünen Knollenblätterpilz fast immer als zackige oder lappige Scheide den knolligen Stielgrund. Gut sind die beiden Arten auch am Geruch zu unterscheiden. Der harmlose Gelbliche Knollenblätterpilz riecht unangenehm nach rohen, alten Kartoffeln, während der Grüne Knollenblätterpilz jung fast geruchlos ist und im Alter einen honigartigen Geruch annimmt.
In älteren Zeiten hielt man die beiden Pilze nicht auseinander oder sah den Gelblichen Knollenblätterpilz wegen seines unangenehmen Geruchs als den gefährlicheren an. Erst im 19. Jahrhundert klärte sich allmählich, dass der Gelbliche Knollenblätterpilz nahezu harmlos ist. Ein französischer Pilzforscher machte das Experiment, zunächst kleine und dann etwas größere Mengen davon zuzubereiten und zu essen. Erst bei reichlichen Mengen treten leichtere Beschwerden auf. Man sollte deshalb den Pilz in die Gruppe der Pilze einreihen, die man als ungenießbar bezeichnet.
Was die Verwechslungsmöglichkeiten mit Champignons betrifft, ist besonders der Weiße oder Kegelige Knollenblätterpilz (Abb. 2) gefährlich, da seine Hutoberseite ähnlich wie bei Champignons weiß ist. Vor allem bei jungen Fruchtkörpern, bei denen die Lamellen noch verdeckt sind und versäumt wird, ihre Farbe zu kontrollieren, kann es zu lebensgefährlichen Verwechslungen kommen.
Das Tückische beim Grünen und beim Weißen Knollenblätterpilz ist, dass sie Eiweißstoffe enthalten, welche den Stoffwechsel vor allem in Leberzellen in falsche Bahnen lenken, was schließlich zur Zerstörung der Zellen führt. Da die Leber an sich schmerzunempfindlich ist, treten Schmerzen und Übelkeit erst viele Stunden nach Verzehr der Pilze auf. Dann ist oft schon so viel Lebergewebe zerstört, dass es keine Rettung mehr gibt.
Von den genannten Pilzen ist nur der Gelbliche Knollenblätterpilz in allen Wäldern der Region Trier häufig. Der Grüne Knollenblätterpilz, der vor allem in Eichenwäldern vorkommt, ist im Hunsrück selten, so dass er dort bei pilzkundlichen Führungen fast nie vorgeführt werden kann. In der Eifel gibt es jedoch Gegenden, wo er recht häufig ist, zum Beispiel im Buntsandsteingebiet des Meulenwaldes. Der Weiße Knollenblätterpilz scheint überall in der Region selten zu sein. Das abgebildete Exemplar wurde in einem moosreichen Fichtenwald bei Beuren im Hochwald gefunden.



Abbildungen und Text von Dr. Reichert