Die Pestwurz



Die Pestwurz

Bild 1


Wer dicht an Bächen oder kleinen Flüssen entlang wandert, kann zur Zeit die kräftigen, rotvioletten Blütentriebe der Gewöhnlichen Pestwurz (Petasites hybridus) antreffen. Sie fallen dadurch auf, dass sie einen dicken, an Spargel erinnernden Stängel besitzen, der nur mit schlaffen, fast schuppenförmigen Blättern besetzt ist (Bild 1).

Die Blüten sind in einer Weise zusammengefasst, die erst bei genauer Betrachtung erkennbar wird. Die Gebilde, die sich in der oberen Hälfte des Triebes zusammendrängen, sind nämlich keine einzelnen Blüten, sondern sogenannte Blütenköpfchen oder Blütenkörbchen, wie sie für die große Pflanzenfamilie der Korbblütler kennzeichnend sind. Jedes Blütenkörbchen enthält bis zu 30 winzige, röhrenförmige Blüten, die von einem Kranz zarter, weißlicher Strahlenblüten umgeben sind. Multipliziert man die Zahl 30 mit der Zahl der schätzungsweise 50 Körbchen, ergibt dies eine Gesamtzahl von ungefähr 1500 Blüten. Diese enorme Konzentration zahlreicher Blüten hat den Vorteil, dass ein angelocktes Insekt dem Angebot nicht widerstehen kann und nacheinender möglichst viele Blüten besucht und damit bestäubt. Das Insekt hat den Vorteil, dass es - ohne weite Wege zurücklegen zu müssen - an einer Stelle viel Nektar oder Pollen sammeln kann.


Bild 2

Aus einem unterirdisch kriechenden Stängel (Rhizom) treiben im Frühsommer, wenn die Blütentriebe schon Samen gebildet haben und zu verwelken beginnen, große, rhabarberähnliche Blätter (Bild 2). Sie gehören zu den größten Blättern der einheimischen Pflanzenwelt und werden von spielenden Kindern gerne als Hüte oder Regenschirme verwendet. Von der hutförmigen Gestalt der Blätter ist auch der wissenschaftliche Gattungsname der Pflanze hergeleitet. Petasos ist nämlich im Griechischen die Bezeichnung für einen Hut mit breiter Krempe.

Der deutsche Name Pestwurz rührt daher, dass man im Mittelalter glaubte, der durch ätherische Öle verursachte unangenehme Geruch der Pflanze vertreibe den Dämon, der die Pest verursacht. In der Volksmedizin wurde die Pestwurz vielseitig eingesetzt, zum Beispiel als Hustenmittel und als Entwurmungsmittel. Neuerdings ist sie jedoch ebenso wie der nah verwandte Huflattich etwas in Verruf geraten, weil sie Pyrolizidin-Alkaloide enthült, die krebserregend sind. Andererseits liefert sie den wertvollen Arzneistoff Petasin, der eine krampflösende und beruhigende Wirkung hat. Für die moderne Pharmazie ist deshalb die Pestwurz nach wie vor interessant.



Text und Bilder: Dr. Hans Reichert