| Wilde Narzissen - Boten des Frühlings |
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Zu den großen Besonderheiten der Frühlingsflora im Hunsrück und in der Eifel gehört die wildwachsende Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus). Von den Osterglocken unserer Gärten unterscheidet sie sich durch niedrigeren Wuchs, mehr hell- als orangegelbe Blüten und einen weniger trichterförmigen, sondern mehr röhrenförmigen Innenteil der Blüten. |
Die wilde Narzisse ist eine südwesteuropäische Pflanze, die auf wintermildes und im Sommer nicht zu trockenes Klima angewiesen ist und deshalb ihren Verbreitungsschwerpunkt in Nordspanien und Frankreich hat. In Deutschland gibt es natürliche Vorkommen wahrscheinlich nur ganz im Westen nahe der belgischen Grenze. Ob die Vorkommen im Hunsrück urwüchsig sind, ist unter den Fachleuten umstritten. Der Mensch hat dort durch die mittelalterlichen Waldrodungen zumindest zur Vermehrung der dortigen Narzissen beigetragen. Die meisten Hunsrück-Vorkommen liegen nämlich außerhalb des Waldes auf ungedüngten oder wenig gedüngten Wiesen. |
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Noch bis 1970 gab es großes Vorkommen mit vielen Tausenden von Exemplaren bei Malborn-Thiergarten nicht weit von Hermeskeil. Ende April bot sich dort der überwältigende Anblick eines gelben Blütenmeeres von mehreren Hektar Größe. Leider wurde dann, um die Grenzertragsböden besser zu nutzen, mittenhinein ein Aussiedlerhof gebaut. Der Eigentümer setzte alles daran, um die Narzissen zu beseitigen, da sie für das Vieh giftig sind. Das ist ihm im Laufe der Jahre mit Hilfe von Dünger, Pflug und Egge gelungen. Lediglich ein kleines Stück nahe der L 166 konnte für den Naturschutz gerettet werden. Selbst dieses ist noch sehenswert. In einer aktuellen Untersuchung konnte unser Mitarbeiter Hans Reichert zeigen, dass sich um Thiergarten und Hermeskeil herum etliche Tausend Narzissen mehr oder weniger unauffällig an Weg und Grabenrändern, Böschungen, in Gebüschen und Waldstücken gehalten haben. Diese Randbiotope sind Zufluchtsstätten für die aus dem Wirtschaftsgrünland durch Nutzungsintensivierung vertriebene Pflanze. Derzeit wenig gefährdet sind Vorkommen im Ruwertal zwischen Mandern und Zerf. Sie liegen größtenteils im Waldbereich, in kleinen Lichtungen oder Wildäsungswiesen. Einige werden durch landespflegerische Maßnahmen im Rahmen des Gewässerprogrammes "Ruwer und Nebenbäche" gefördert. Wie alle wildwachsenden Narzissen Mitteleuropas gehört auch Narcissus pseudonarcissus zu den nach der sogenannten Bundesartenschutzverordnung (1980) besonders geschützten Pflanzenarten, die nicht gepflückt oder sonstwie beschädigt werden dürfen. Wer eine etwas weitere Anfahrt nicht scheut, kann im benachbarten Luxemburg oder in der Nord-Eifel bei Monschau riesige Narzissenvorkommen bewundern, gegen die unsere Hunsrück-Vorkommen sich recht bescheiden ausnehmen. Im Luxemburg sind die Vorkommen bei Hosingen am bekanntesten. Dort wächst die Narzisse in lichten Wäldern. In der Nord-Eifel erstrecken sich Narzissenbestände kilometerweit auf Talwiesen. Berühmt sind die Vorkommen im Perlenbachtal bei Kalterherberg und im Oleftal bei Hollerath. Dort blüht die Narzisse erst gegen Ende April und damit zwei bis drei Wochen später als im Hunsrück. Clevere Lokalpolitiker haben dort erkannt, dass die Narzissen ein Tourismusfaktor sind. Alljährlich findet ein Narzissenfest statt, zu dem sogar politische Prominenz wie die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn anreist. |