Mühlgräben - Baudenkmäler:
Wenn es von Seiten des Naturschutzes auch gelegentlich Ärger mir Mühlenbesitzern gibt, die ihr Wasserrecht ohne Rücksicht auf
Gewässerbiotope ausüben, so ist es in vielen anderen Fällen bedauerlich, dass Mühleneinrichtungen verfallen oder entfernt werden.
Dazu gehören zum Beispiel die Mühlgräben. Durch sie wurde aus Bächen mehrere hundert Meter oberhalb der Mühlen Wasser abgeleitet und
mit möglichst geringem Gefälle am Talhang entlang den Mühlen zugeführt. Es kam dort mehrere Meter höher als der Bach an. In der
Höhendifferenz steckte das Potential, das zum Antreiben der Mühlräder genutzt wurde. Bei dem in unserer Gegend vorherrschenden Typ des
oberschlächtigen Mühlrades wurde das Wasser vom Mühlgraben her durch eine Holzrinne auf die Oberseite des Mühlrades geleitet, wo es
sich in schaufelförmigen Kammern verfing und durch sein Gewicht die entsprechende Seite des Mühlrades nach unten drückte. Unten
angekommen, floss es aus den Schaufeln wieder heraus in den Bach hinein. So wurde das Rad in Drehung versetzt.
Mühlgräben - heimatliche Biotope:
In Eifel und Hunsrück, wo die Bäche meist starkes Gefälle haben und geröllreich sind, entstanden durch die Mühlgräben andersartige
Gewässerbiotope. Das Wasser strömte infolge des geringen Gefälles langsam, und am Boden setzt sich feiner Sand ab. Das schuf
Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere, die starke Strömung und harten Gerölluntergrund nicht vertragen. Mühlgräben tragen also zur
Biotopvielfalt bei und sollten nicht zugeschüttet werden.
In den oft gewundenen Bachtälern mussten Mühlgräben manchmal um Felsvorsprünge herumgeführt werden. An solchen Stellen bestand immer
die Gefahr, dass sie durch Hochwasser weggerissen wurden und die Mühle dann wochenlang außer Betrieb war. Da das die Existenz der
Müller gefährdete, wandten diese oft erhebliche Mühe auf, um in die Felsvorsprünge für den Mühlgraben schmale Durchgänge oder sogar
Tunnels hineinzuhauen. In alten Zeiten geschah dies mit Hammer und Meißel. Solche Mühlgraben-Durchbrüche blieben in Eifel und Hunsrück
in größerer Zahl erhalten. Sie stellen interessante handwerklich-technische Denkmäler dar und sollten registriert und in Fotos
archiviert werden. Manche von ihnen sind wegen ihres feuchten Kleinklimas wichtige Biotope für Farne und Moose.
Übrigens: Tunnel-Durchbrüche sind in vielen Fällen Fledermausquartiere und deshalb in hohem Maße schutzwürdig.
Die folgende Bildergalerie zeigt einige Beispiele.
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Liesertal bei Plein/Eifel 2003. Niedriger Durchbruch durch einen Felsvorsprung. Der Mühlgraben wird vom Hang her durch
herabrutschende oder vom Regen herabgespülte Erde allmählich verfüllt.
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Liesertal bei Karl/Eifel 2008. Kurzer Durchbruch durch eine Felsnase. Mühlgraben ebenfalls von selbst verfüllt
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Ueßbachtal bei Hontheim/Eifel 2003. Mehrere Meter hoher Durchbruch durch einen Felsvorsprung mit reicher Moos- und Farnvegetation.
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Hahnenbachtal bei Bundenbach/Hunsrück 1977. Mühlgraben-Tunnel durch einen hohen Felsvorsprung. Mühlgraben von selbst verfüllt.
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Fischbach/Nahe 1978. Mühlgraben-Tunnel durch hartes vulkanisches Gestein am Bremerberg. Mühlgraben noch im Betrieb.
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Traben-Trarbach, Stadtteil Trarbach 2008. Aus Gründen der Platzersparnis und der Festigkeit auf eine Strecke von fast 1 km in Fels gehauener
Mühlgraben der Stadtmühle.
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