Die Große Hufeisennase


Die Große Hufeisennase
(Rhinolophus ferrumequinum)

Große Hufeisennnase beim Einflug in einen Stollen
Abbildung 1:
Große Hufeisennase - unverkennbar ein Männchen - beim Einflug in den Schieferstollen.
Im Hintergrund ist die Lichtschranke zur Fotoauslösung zu erkennen.
Foto: 2009, Manfred Weishaar


Hoher Besuch im FFH-Gebiet Fellerbachtal

Große Überraschung bei den Naturschützern löste die Nachricht vom Besuch einer Delegation von Großen Hufeisennasen im FFH-Schutzgebiet in Fell aus. Seit Jahren führt der NABU Region Trier ein Programm zum Schutz der dort vorkommenden Fledermäuse durch. Dass diese extrem seltene Fledermausart, ihr Bestand in Deutschland wird gerade mal auf 100 Individuen geschätzt und stellt damit eine der größten Raritäten der deutschen Fauna dar, in einem der vielen stillgelegten Schieferstollen auftauchte, verblüffte. Zwar ist ihr Vorkommen bei Fell und Thomm durch die Veröffentlichung des Trierer Naturforschers M. Schäfer seit 1844 bekannt [Verzeichnis der im Regierungsbezirk Trier vorkommenden Thiere], doch gingen die Bestände extrem zurück und die Art war am Rande des Aussterbens. Gerade mal 2 Nachweise in den letzten 20 Jahren belegten noch Ihre Existenz in Thomm und Fell.
(03.03.1990: ein winterschlafendes und am 22.08.2002 ein vor Stollen schwärmendes Exemplar).

Umso größer war die Freude bei den Naturschützern, als in der Nacht zum 1. Mai morgens gegen 2 Uhr 4 Mänchen der Großen Hufeisennase in das Schutzgebiet einflogen und die Stollen gründlich untersuchten. Bereits am frühen Nachmittag des 1. Mai zeugten rege Flugbewegungen von der Inspektionstätigkeit der Gruppe. Am frühen Abend des 1. Mai verlieszlig; die Delegation wieder das Schutzgebiet.
Der eigentliche Besuchsgrund bleibt unklar. Stand der Ausflug in Zusammenhang mit der Walpurgisnacht oder war die Party gar eine vorgezogene Herrentour am Vatertag der Fledermäuse? Bei den Naturschützern herrscht Rätselraten.

Portrait der Großen Hufeisennase

Abbildung 2:
Portrait der Großen Hufeisennase.
Deutlich zu erkennen ist der namensgebende häutige Nasenaufsatz.
Foto: Birgit Gessner



Steckbrief:
Wie alle Fledermäuse ortet auch die Hufeisennase mittels Ultraschall, der im Kehlkopf erzeugt wird. Ihren Namen verdanken sie ihrem häutigen hufeisenförmigen Nasenaufsatz, den sie wie ein Megaphon verwenden und zur Schallbündelung einsetzen. In Deutschland kommen 2 Arten, die Große und die Kleine Hufeisennase vor. Während die Kleine Hufeisennase früher zu den häufigsten Arten zählte, waren ihre großen Schwestern schon immer selten, denn sie beschränkten sich auf die klimatisch günstigsten Gebiete.
Die Bestände der Kleinen Hufeisennase gingen extrem zurück und sind in den meisten Gegenden Deutschlands ausgestorben. Lediglich in den neuen Bundesländern und in Bayern halten sich kleine Restpopulationen. Die Bestände der großen Schwester gingen auch extrem zurück, sodass ebenfalls nur noch sehr kleine Restvorkommen in Deutschland existieren. In Bayern lebt noch eine kleine Population, die sich auch dort noch fortpflanzt. Weitere Populationen leben im schmalen Grenzbereich zu Luxemburg und Frankreich. Zwar steht hier ein Fortpflanzungsnachweis noch aus, doch weisen einige Beobachtungen auch auf eine Fortpflanzungsstätte im Saar- und oberen Moseltal hin. Untersuchungen zur Klärung ihres Status sind dringend erforderlich und stehen leider noch aus. Während an der Obermosel und an der unteren Saar regelmäßige Nachweise gelingen, sind weiter östlich gelegene Funde extrem selten und erregen daher Aufsehen.

© Text: 2009, Manfred Weishaar