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Quelle:
D. Frohne & H.J. Pfänder: Giftpflanzen. Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen.- 3. Aufl. 344 S., Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft 1987
Vorwort
Da für Kinder im allgemeinen nur Früchte verlockend sind, beschränkt sich die Zusammenstellung im Wesentlichen auf
Pflanzen mit auffälligen Früchten. Die beschriebenen Symptome treten nach Genuss der Früchte auf. Im Anhang am Schluss
werden gefährlich giftige Gartenpflanzen aufgezählt, die keine auffälligen Früchte haben.
Es ist nicht sinnvoll, alle giftigen Pflanzen aus Gärten und Grünanlagen zu verbannen. Allenfalls in der Umgebung von
Kinderspielplätzen ist es ratsam, auf das Anpflanzen solcher Arten zu verzichten. Ansonsten ist es eine viel wirksamere Vorbeugung, wenn man kleinen Kindern so früh wie möglich einschärft, dass sie keine Beeren und keine Blätter ohne Erlaubnis ihrer Eltern in den Mund nehmen dürfen.
Aronstab (Arum maculatum)
Symptome: Brennen und Prickeln im Mund, Brechreiz. Bei größeren Mengen Schwindelgefühl, Muskelkrämpfe.
Todesfälle sind nur bei Weidetieren bekannt geworden. Bei Menschen wurden in neurere Zeit nur leichtere Vergiftungen registriert.
Berberitze (Berberis vulgaris)
Früchte der einheimischen Berberitze sind ungiftig und sogar reich an Vitamin C. Früchte fremdländischer Arten,
die in Gärten kultiviert werden, enthalten z.T. zumindest in den Samen Alkaloide, so dass beim Verzehr größerer
Mengen von Beeren mit leichten Vergiftungen gerechnet werden muss (Benommenheit, Erbrechen, Durchfall, Nierenreizung).
Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea)
Früchte roh wegen des bitteren Geschmacks ungenießbar, aber nicht giftig.
Cotoneaster-Arten
Bei einigen Arten enthält das Fruchtfleisch relativ viel Blausäureverbindungen (Cyanide). Obwohl Vergiftungsfälle
noch nicht bekanntgeworden sind, ist eine gewisse Wachsamkeit angebracht.
Efeu (Hedera helix)
Symptome: Brennen im Rachen, Erbrechen, Durchfall. Die Bitterkeit der Beeren verhindert, dass Kinder mehr als eine verschlucken.
Angebliche Todesfälle (ältere Literatur) sind sehr fragwürdig.
Eibe (Taxus baccata)
Das Fruchtfleisch der roten, beerenartigen Früchte ist zwar ungiftig und
essbar, doch sollte man dies Kindern nicht unbedingt sagen. Es könnte
nämlich geschehen, dass sie beim Essen der Früchte versehentlich Samen
zerkauen. Diese schmecken bitter und enthalten wie alle übrigen Teile der
Eibe lebensgefährlich giftige Alkaloide. Das Verschlucken unzerkauter Samen
ist dagegen ungefährlich, da sie wegen ihrer kräftigen Schale den Darm
unverdaut passieren.
Essigbaum (Rhus typhina)
Wegen seiner Verwandtschaft mit dem gefährlichen Giftsumach, einer in Amerika wachsenden, windenden Pflanze, zu Unrecht der
Giftigkeit verdächtigt. Rohe Früchte können allenfalls wegen ihres hohen Gerbsäuregehaltes Magen-Darm-Verstimmungen
verursachen.
Faulbaum (Frangula alnus)
Siehe unter Kreuzdorn
Feuerdorn (Pyracantha coccinea)
Die Früchte sind trotz eines geringen Blausäure-Gehaltes nahezu als ungiftig zu bezeichnen. Eine Schülerin, die sich
mit den vermeintlich giftigen Früchten selbst töten wollte, vertrug zwei Hände voll Beeren, ohne dass irgendwelche
Beschwerden auftraten.
Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
Es gibt ältere Berichte über angeblich schwere Vergiftungen, die durch neuere Beobachtungen nicht bestätigt werden
können. Die Giftzentralen registrierten zwar viele Fälle, in den Kinder Früchte aßen. Zu Erbrechen und Durchfall
kam es jedoch nur dann, wenn unreife Früchte oder große Mengen reifer Früchte verzehrt werden. Das gilt auch für
andere Schneeball-Arten.
Goldregen (Laburnum anagyroides)
Obwohl die Pflanze keine beerenartigen Früchte hervorbringt, muss sie hier erwähnt werden, weil nach den Erfahrungen der
Giftberatungsstellen Kinder oft mit den erbsenähnlichen Samen spielen und sie auch zerkauen oder daran lutschen. In Berlin
betrafen in den letzten Jahrzehnten die meisten Beratungsfälle den Goldregen. Nur in drei Prozent der Fälle kam es allerdings
zu eindeutigen Vergiftungen, wovon wiederum nur ein Zehntel schwer war. Symptome: kolikartige Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall.
Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
Giftigkeit in der Literatur oft übertrieben dargestellt. Vergiftungserscheinungen nur nach Verzehr größerer Mengen von
Beeren. Symptome: Bauchschmerzen, Erbrechen. Das gilt auch für andere Lonicera-Arten (z.B. Wald-Geißblatt oder
Jelängerjelieber). Die Früchte amerikanischer Arten wurden von Indianern und Trappern sogar regelmäßig gegessen.
Holunder (Sambucus)
Roh genossene Beeren aller einheimischen Holunderarten können, vor allem bei Kindern und empfindlichen Personen, heftiges
Erbrechen auslösen. Dafür sind harzartige, überwiegend in den Samen enthaltene Stoffe verantwortlich.
Kreuzdorn (Rhamnus catharticus)
Ebenso wie beim verwandten Faulbaum enthalten die Früchte stark schleimhautreizende und abführende Stoffe, die heftige und
sogar lebensbedrohende Durchfälle verursachen können. Aus Polen wurde 1980 ein Fall von tödlicher Vergiftung zweier
Kleinkinder nach Verzehr einer größeren Menge von Kreuzdorn-Beeren berichtet. In den deutschen Giftzentralen wurden dagegen
nur weit harmlosere Fälle registriert.
Liguster (Ligustrum vulgare)
Nur in über 100 Jahre alten Berichten ist von lebensgefährlichen Vergiftungen die Rede. Sie erwiesen sich bei genauerern
Recherchen als mehr oder weniger unglaubwürdig. Die heutigen Meldezentralen registrierten nur leichtere Symptome wie Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, selbst in Fällen, in denen nach Angaben der Betroffenen zahlreiche Beeren gegessen wurden.
Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), irreführend auch Kirschlorbeer genannt
Das Fruchtfleisch enthält Blausäureverbindungen, allerdings bei weitem nicht in so hoher Konzentration wie die Blätter.
Dagegen ist der Gehalt in den Samen hoch. Der Verzehr von Beeren ist also so lange harmlos, wie nicht die Samen zerkaut werden. Zerkaute Samen dagegen können zu ernsthaften Vergiftungen führen. Symptome: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Speichelfluss, Atemnot, Bewusstlosigkeit
Mahonie (Mahonia aquifolium)
Früchte nach älteren Angaben mit geringem Alkaloidgehalt. Nachweislich haben Kinder bis zu 100 Beeren verzehrt, ohne dass es
zu Symptomen kam.
Maiglöckchen (Convallaria majalis)
In den Beratungsstellen gab es relativ viele Fälle von Früchteverzehr durch Kinder. Es wurden aber nur leichtere Vergiftungen
registriert. Das überrascht, weil chemische Untersuchungen eine relativ hohe Konzentration herzwirksamer Glykoside in den
Früchten nachgewiesen haben. Diese werden aber offenbar durch die Verdauungsorgane schlecht aufgenommen. Symptome: Übelkeit,
Erbrechen.
Mistel (Viscum album)
Die schleimigen Beeren locken kaum zum Verzehr. Die Giftigkeit wird als sehr gering eingestuft.
Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
Im Gegensatz zu Schilderungen in älterer Literatur sind in neuerer Zeit nur leichte Vergiftungserscheinungen bekanntgeworden.
Symptome laut älterer Literatur: Durchfall, Fieber, Kreislaufstörungen.
Schneebeere (Symphoricarpos rivularis)
Es gibt einen älteren Bericht über lebensgefährliche Vergiftungen, der jedoch angezweifelt werden muss. Neuere
Untersuchungen zeigen, dass 3-4 Beeren im allgemeinen keine Vergiftungen verursachen. Erst beim Genuss größerer Mengen kommt
es zu Bauchschmerzen und Erbrechen, aber nicht zu lebensgefährlichen Vergiftungen
Seidelbast (Daphne mezereum)
Die Beeren schmecken sehr scharf, weshalb nie größere Mengen verzehrt werden. Doch ist der Giftgehalt so groß,
dass schon wenige Früchte zu schwersten Vergiftungen führen können. Symptome: Kopf- und Bauchschmerzen, motorische
Unruhe, Krämpfe, Desorientiertheit, heftige, lange anhaltende Durchfälle.
Stechpalme (Ilex aquifolium)
Symptome: Leibschmerzen, Erbrechen und Durchfälle. Die Symptome treten aber erst nach Genuss einer größeren Menge
von Früchten auf. Angaben über Todesfälle in älterer Literatur sind fragwürdig. In neuerer Zeit wurden nur
leichte Vergiftungsfälle registriert.
Tollkirsche (Atropa belladonna)
Die Pflanze ist kein Baum, wie viele meinen, sondern eine Staude. Sie wird niemals in Gärten und Anlagen gepflanzt und kann
höchstens aus angrenzender wildwachsender Vegetation in Grünanlagen eindringen.
Beeren verursachen mittelschwere bis schwere Vergiftungen, die nicht selten vorkommen, da die Beeren keinen scharfen, sondern
einen süßlichfaden Geschmack haben. Für Kinder können bereits 2 bis 5 Beeren lebensgefährlich werden,
für Erwachsene 10-20. Symptome: Rötung des Gesichts, Trockenheit der Schleimhäute, Pulsbeschleunigung,
Pupillenerweiterung, Unruhe, Rededrang, Halluzinationen, Tobsuchtsanfälle, schließlich Ohnmacht und Atemlähmung.
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Der Zweig einer Tollkirsche. Links ist eine noch unreife, grüne Frucht zu
sehen. Sie färbt sich später blau-schwarz und ist dann immer noch von den
fünf grünen Kelchblättern umgeben.
Foto: Helmuth Orth
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Vogelbeere, Eberesche (Sorbus aucuparia)
Früchte enthalten die schleimhautreizende Parasorbinsäure, die beim Genuss einer größeren Zahl von Beeren zu
Erbrechen und Magen-Darm-Reizungen führen kann. Beim Kochen und Trocknen der Früchte wird die Parasorbinsäure
zerstört.
Wacholder (Juniperus communis)
Der Verzehr weniger Beeren ist unbedenklich. Größere Mengen können wegen der stark harntreibenden Wirkung
(Heilmittel!) Nierenreizungen bis hin zu Nierenschäden verursachen.
Zaunrübe (Bryonia dioica)
Die windende Pflanzen wird nie angepflanzt, dringt aber in öfters aus der Umgebung in Gärten und Anlagen ein.
Leichte Vergiftungserscheinungen schon nach Genuss von 6 bis 8 Beeren. Starke bis lebensgefährliche Vergiftungen beim
Verzehr größerer Mengen. Wegen des scharfen Ge-schmacks kommt es dazu aber höchst selten. Symptome: Erbrechen,
Magenbeschwerden, blutiger Durchfall, Schwindelgefühl, Nierenreizung und sogar Atemlähmung.
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Ein blühender Trieb der Zaunrübe. Er rankt an
anderen Pflanzen hoch. Aus den weißen Blüten gehen später rote Beeren
hervor.
Foto: Hans Reichert
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Anhang:
Gefährlich giftige Gartenpflanzen ohne auffällige Früchte
Hier kann es nur zu Vergiftungen kommen, wenn Blätter gekaut werden. In wenigen Fällen führt bereits kräftige
Berührung zu Erkrankungen.
Eisenhut (Aconitum-Arten), vor allem der Blaue Eisenhut, der als giftigste Pflanze Mitteleuropas
gilt
Fingerhut (Digitalis-Arten)
Lebensbaum (Thuja-Arten)
Oleander (Nerium oleander)
Rhizinus, Wunderbaum, Götterpalme (Rhicinus communis). Vergiftungen selten, da die Pflanze
kaum noch in Gärten gepflanzt wird.
Rhododendron Die Blüten mancher Arten enthalten giftigen Nektar. Vergiftungen von
Kleinkindern wurden aber höchst selten beobachtet.
Riesen-Bärenklau oder Herkulespflanze (Heracleum mantegazzianum) Die Berührung
mit dem Saft in Stängeln oder Blättern führt
zu starken und lange anhaltenden Haut-Entzündungen, so bald die Haut dem Sonnenlicht ausgesetzt ist.
Text: Dr. Hans Reichert
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