Das Orientalische Zackenschötchen (Bunias orientalis),
eine auffällige Pflanze im Olewiger Tal in Trier
Wer mit dem Auto oder mit dem Fahrrad im Mai im Olewiger Tal entlangfährt, kann eine hochwüchsige, gelb blühende Pflanze nicht
übersehen, welche in großer Zahl die Straßenränder und Böschungen schmückt (Abb. 1). Es ist das Orientalische Zackenschötchen, das
nirgends in der Umgebung von Trier in so großen Mengen vorkommt wie in diesem Tal.
Wie der deutsche Name sagt, stammt die Pflanze aus dem Orient. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht von Sibirien bis nach Ost- und
Südosteuropa. Von dort wird sie seit mindestens 200 Jahren immer wieder in alle übrigen Teile Europas verschleppt. Früher geschah dies
vor allem dadurch, dass sie in Gärten kultiviert wurde, da die jungen Blätter wie Rucola zu verwenden sind. Mit Gartenabfällen gelangte
sie in die freie Natur. Dort kann sie nur an Stellen Fuß fassen, an denen die Pflanzendecke durch Abgrabungen, Trittschäden oder
sonstige Störungen aufgelichtet ist. Ihre Keimlinge sind nämlich sehr lichtbedürftig und könnten z.B. in einer dichten Wiese oder in
Gebüsch oder Wald nicht gedeihen.
In neuerer Zeit spielt auch der Straßenbau bei der Ausbreitung eine Rolle. Baufahrzeuge legen oft große Strecken zurück und
verschleppen mit Erdmaterial die Samen, die dann an neu geschaffenen Böschungen gut keimen können. Hat das Zackenschötchen einmal Fuß
gefasst und kräftige Triebe gebildet, kann es mit einheimischen Pflanzen konkurrieren und diese manchmal sogar verdrängen. In einigen
Wärmegebieten Deutschlands, wo sich die Pflanze seit 20 Jahren stark ausbreitet, beobachtet man sie mit Argwohn und fragt sich, ob man
sie zu den aggressiven, d.h. für die einheimische Flora bedrohlichen Neophyten zählen soll. Bisher bestand dafür jedoch noch kein
Anlass. Bekämpfungsmaßnahmen wurden bisher nur an einigen Straßenrändern durchgeführt.
In der Region Trier ist die Pflanze noch ziemlich selten, und wir können deshalb die Bestände im Olewiger Tal als dekorative
Besonderheit mit Wohlgefallen betrachten.
|
Abbildung 2:
Die Blüten strömen einen starken, fast betäubenden Duft aus. Schaut man sie näher an, so erkennt man, dass sie 4 gelbe
Kronblätter und 6 Staubblätter aufweisen. Das sind Kennzeichen der großen Familie der Kreuzblütler. Zu ihr gehören zahlreiche
Nutzpflanzen wie Raps, Rettich, Merrettich und Kresse, aber auch Zierpflanzen wie Goldlack, Steinkraut, Blaukissen und andere.
|
|
Abbildung 3:
Die Blätter des Zackenschötchens sind in ihrer Spießform so charakteristisch, dass man auch junge, noch nicht blühende
Exemplare sicher erkennen kann. Auch die Früchte sind unverwechselbar. Sie sind im Reifezustand trocken und öffnen sich mit 2
Klappen, um die Samen auszustreuen. Man bezeichnet Früchte dieses Typs als Schoten, wenn sie länglich sind, und als Schötchen,
wenn sie eine kurze, rundliche Form haben.
|
|
Abbildung 4:
Auf den Schötchen unserer Pflanze bilden sich schon im jungen Zustand warzenähnliche Vorsprünge, die später zu spitzen
Zacken werden. Daher rührt der Name Zackenschötchen.
|
© Text und Fotos: 2009, Dr. Hans Reichert
|