Der Aronstab


... ist keine verirrte tropische Zimmerpflanze

Aronstab - keine tropische Zimmerpflanze
Abbildung 1: Die Blätter des Aronstabs


Vorkommen:

Trifft man in feuchtschattigen Wäldern auf die glänzenden, schwarz gefleckten Blätter des Aronstabs (Arum maculatum), so könnte man meinen, hier habe sich eine tropische Zimmerpflanze zu uns verirrt (Abb. 1). Das ist insofern nicht ganz falsch, als der Aronstab zu einer Pflanzenfamilie gehört, die hauptsächlich in den Tropen verbreitet ist. Nur ganz wenige Arten sind bis zu den gemäßigten Breiten vorgedrungen. In Deutschland sind nur drei Aronstabgewächse beheimatet. Zwei davon sind selten. Nur der Aronstab ist häufiger anzutreffen, meist am Grunde oder an den Hängen bewaldeter Täler


Beschreibung:

Fast alles am Aronstab ist unverwechselbar und eigenartig. Obwohl er zu den einkeimblättrigen Pflanzen gehört, sind seine Blätter für diese Pflanzengruppe ganz untypisch. Einkeimblättrige Pflanzen haben nämlich normalerweise lange, schmale, ganzrandige Blätter, die von parallel verlaufenden Leitbündeln durchzogen sind. Wir kennen das von Gräsern oder Liliengewächsen. Beim Aronstab dagegen sind die Blätter breit spießförmig und mit einem verzweigten System von Leitbündeln versehen, wie es für zweikeimblättrige Pflanzen charakteristisch ist.


Blüte mit umgebendem Hochblatt

Auch die Blüten haben eine ganz besondere Gestalt. Sie sind von einem bleichen, unten tütenförmig eingerollten Hochblatt umgeben (in nebenstehder Abbildung unten rechts). In seiner Mitte ragt ein brauner Kolben empor. Dieses ungewohnte Bild hat seit jeher die Phantasie der Menschen angeregt. Nach der mittelalterlichen Signaturenlehre soll ja die Gestalt der Pflanzen Hinweise auf die Verwendbarkeit als Heilpflanze geben. Der Leser kann sich denken, dass ein steif aufgerichteter Kolben als Zeichen für potenzstärkende Inhaltsstoffe verstanden wurde.

Abbildung 2: Blüte mit Hochblatt
Aufgeschnittener Kolben

In Wirklichkeit ist der Kolben dazu da, einen urinartigen Duft abzugeben, der Insekten, vor allem eine bestimmte Mückengattung, anlockt. Die Tierchen kriechen entlang dem Kolben nach unten und gelangen in den tütenförmigen Teil, der die Form eines ovalen Behälters hat (Abb. 3).

Abbildung 3
Details im aufgeschnittenen Kolben

In Abb. 4 ist dieser Behälter aus der Nähe gezeigt. Er wird als Kesselfalle bezeichnet. Sein enger Eingang wird von sterilen Blüten teilweise versperrt, die das Eindringen größerer Insekten verhindern sollen. Die kleinen Mücken können ungehindert hindurchkriechen. Früher wurde oft behauptet, die Borsten der sterilen Blüten fungierten als Reuse, welche aufgrund ihrer Biegsamkeit nach unten zwar ein Hineinkriechen von Insekten ermögliche, ein Verlassen aber verhindere. Daher auch der Begriff „Falle“. In Wirklichkeit wollen aber die Insekten den Behälter gar nicht verlassen, da sie sich darin ausgesprochen wohl fühlen. Der Aronstab erzeugt nämlich in dem Kolben bis zu 40° Wärme, welche die Temperatur in der Kammer im Frühjahr bis zu 25° höher sein lässt als draußen.
Unterhalb der sterilen „Reusenblüten“ folgt eine Gruppe sehr vereinfachter männlicher Blüten. Sie bestehen fast nur aus rötlich gefärbten Staubbeuteln. Ganz unten befinden sich weibliche Blüten, die nur aus Fruchtknoten und Narben bestehen.

Abbildung 4

Weitere Entwicklung:

Bei ihrem Herumkrabbeln auf den nachts aufplatzenden männlichen Blüten werden die Insekten von Blütenstaub bepudert. Diesen übertragen sie auf die weiblichen Blüten.
Sind die Blüten befruchtet, welken alle Teile bis auf die weiblichen Blüten. Die Tierchen sind gezwungen, das schrumpfende Haus, das jetzt auch nicht mehr wärmt, zu verlassen.
Aus den weiblichen Blüten entwickeln sich Beeren, die zunächst grün und dann rot gefärbt sind (Abb. 5). Für den Menschen sind sie giftig. Vögel fressen sie aber gerne. Die in den Beeren enthaltenen Samen sind unverdaulich und verlassen mit dem Kot den Körper der Vögel. So wird die Pflanze verbreitet.

Fruchstand mit unreifen (grünen) und reifen (roten) Früchten
Abbildung 5


Giftig sind nicht nur die Beeren, sondern alle Teile der Pflanze. Tödliche Vergiftungen kommen allerdings nur bei Weidetieren vor. Menschen werden alleine schon von dem scharfen Geschmack davon abgehalten, etwas vom Aronstab zu verzehren. Die Blätter enthalten nadelförmige Kristalle von Kalziumoxalat. Diese verursachen stundelange Schmerzen an der Zunge, wenn man ein Blattstückchen gekaut hat

Damit ist noch längst nicht alles gesagt, was es über den Aronstab zu berichten gibt. Kurz noch folgende Hinweise: Nur etwa 1/3 der bei uns wachsenden Aronstabpflanzen hat die schön gefleckten Blätter. Etwa 2/3 haben ungefleckte Blätter. Die beiden Formen unterscheiden sich laut Literaturangaben in der Zahl ihrer Chromosomen.
Der Name bezieht sich - wie man schon ahnen kann - auf den Propheten und Hohenpriester Aaron. Der Blütenkolben wird mit dessen wundertätigem Stab verglichen.

Quelle: Düll, R. und Kutzelnigg, H. (1994): Botanisch-ökologisches Exkursionstagebuch, 546 S., Heidelberg
Abbildungen 1 bis 4: 2008, Dr. Hans Reichert
Abbildung 5: 2005, Kurt Stueber, GNU-Lizenz für freie Dokumentation